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Bevölkerungsszenarien

Mehr Menschen im Rentenalter

Für den Thurgau liegen zum zweiten Mal kantonale Bevölkerungsszenarien vor, die kleinräumig verfügbar sind. Dies bedeutet, dass Bevölkerungsprojektionen auch für Teilgebiete des Kantons wie beispielsweise Bezirke vorliegen.
Gerechnet wurden zwei Szenarien. Diese unterscheiden sich hauptsächlich in den Annahmen zur Zu- und Abwanderung. Das Szenario „Mittlere Zuwanderung“ geht im Wesentlichen von einer Einwanderung wie im Schnitt der letzten zehn Jahre aus. Das zweite Szenario geht von einer schwächeren Einwanderung aus.

Gemäss beiden Szenarien wächst die Bevölkerung in den nächsten zwanzig Jahren weiter, aber nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Im Szenario „Mittlere Zuwanderung“ werden im Jahr 2035 rund 329‘000 Menschen im Thurgau leben, im Szenario „Schwächere Zuwanderung“ sind es 313‘000 Menschen. Dies sind je nach Szenario 22 % oder 16 % mehr als im Jahr 2016 (270‘000 Einwohner).

-> mehr zum Thema: aktueller Bevölkerungsstand

Struktur der Bevölkerung im Wandel

Das Bevölkerungswachstum wird nicht alle Altersklassen im gleichen Ausmass betreffen. Vor allem die Zahl älterer Menschen wird stark zunehmen. Gemäss beiden Szenarien ist in zwanzig Jahren jede vierte Einwohnerin oder jeder vierte Einwohner über 65 Jahre alt, 2016 waren es 17 % der Bevölkerung gewesen. Dies hängt mit den geburtenstarken Jahrgängen zusammen, die in den nächsten Jahrzehnten das Rentenalter erreichen. Eine vergleichsweise tiefe Geburtenrate und steigende Lebenserwartung tragen ebenfalls zur Verschiebung der Altersstruktur bei.

Alterung betrifft alle Bezirke

In allen Bezirken wird sich die Altersstruktur deutlich nach oben verschieben, am ausgeprägtesten in den Bezirken Münchwilen und Weinfelden. Im Bezirk Münchwilen werden gemäss beiden Szenarien im Jahr 2035 fast doppelt so viele über 65-Jährige leben als heute. Auch im Bezirk Weinfelden wird die Zunahme vergleichsweise deutlich sein.

Jüngere Arbeitskräfte werden knapper

Auf dem Arbeitsmarkt dürfte insbesondere die nur moderate Zunahme von Personen im erwerbsfähigen Alter deutlich zu spüren sein. Innerhalb der Gruppe der 20-64-Jährigen nehmen die „Jüngeren“ im Erwerbsalter (20- bis 39-Jährige) weniger stark zu als die „Älteren“ (40- bis 64-Jährige). Gemäss dem Szenario „Schwächere Zuwanderung“ werden in zwanzig Jahren sogar weniger 20- bis 39-Jährige als heute im Thurgau wohnen.

-> mehr zum Thema: aktuelle Altersstruktur


Publikation, Daten und weitere Informationen

Publikation zum Thema

Weitere Resultate zu den Bevölkerungsszenarien können der Statistischen Mitteilung Nr. 9/2017 entnommen werden.
Kleinräumige Bevölkerungsszenarien für den Kanton Thurgau 2015-2035

Tabellen

Bevölkerungsentwicklung in den Szenarien, 1990-2035
Bevölkerung nach Altersklassen und Nationalität, 2016 und 2035
 

Über die Szenarien und methodische Erläuterungen

Ein Bevölkerungsszenario ist ein gerechnetes Modell, welches zeigt, wie sich die Einwohnerzahl unter gewissen Annahmen entwickeln wird. Nicht alle Faktoren, welche die tatsächliche Entwicklung beeinflussen, können in einem Modell berücksichtigt werden. Durch die Eingabe von Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und den Wanderungsbewegungen wird der Bestand der Bevölkerung am Jahresanfang durch die Addition von Geburten und Zuzügen abzüglich der Sterbefälle und Wegzüge fortgeschrieben. Der Endbestand eines Jahres bildet wiederum den Anfangsbestand des Folgejahres.

Das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre wurde hauptsächlich durch die Wanderungsbewegungen bestimmt. Für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung spielen daher die Annahmen zur Wanderung eine entscheidende Rolle. Die Zu- bzw. Abwanderung ist jedoch sehr volatil. Ihre zukünftige Entwicklung hängt von einer Reihe von Einflussfaktoren ab, die schwer voraussehbar sind.

Gerechnet wurden deshalb zwei Szenarien, die sich nur durch die Annahmen bezüglich der Wanderungsbewegungen unterscheiden, hauptsächlich jene gegenüber dem Ausland. Die übrigen Annahmen sind in beiden Szenarien identisch. Für die Festlegung der Annahmen wurden die Szenarien des Bundesamtes für Statistik herangezogen.

  • Szenario „Mittlere Zuwanderung"
    Beim Szenario „Mittlere Zuwanderung“ wird von einer Einwanderung ausgegangen, die ungefähr dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre entspricht. Ab 2030 flacht die Zuwanderung nochmals deutlich ab, da es aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland und weiteren Ländern weniger „potentielle Zuwanderer“ gibt.
    Bei den Auswanderungen wird die Annahme getroffen, dass es sich beim seit 2010 beobachteten Anstieg der Auswanderungen um eine zeitlich versetzte Folge der starken Zuwanderung der Jahre nach 2008 handelt und sich die Auswanderung wieder abflacht.
     
  • Szenario „Schwächere Zuwanderung“
    Im Szenario „Schwächere Zuwanderung“ wird von einer geringeren Zuwanderung als im Szenario „Mittlere Zuwanderung“ ausgegangen. Diese Annahmen sind dann plausibel, wenn europäische Länder - namentlich Deutschland - wirtschaftlich weiter aufholen und es der Schweiz gelingt, das inländische Arbeitskräftepotential verstärkt zu nutzen. In diesem Szenario wird angenommen, dass die Einwanderungen sukzessive abnehmen und 2030 ein tiefes Niveau erreichen, das in etwa jenem der Jahre 2004-2007 entspricht. Ab 2030 wird aufgrund der demografischen Entwicklung in den Herkunftsländern auch in diesem Szenario mit einer weiteren Abnahme der Einwanderungen gerechnet.
    Bei den Auswanderungen wird angenommen, dass diese in den nächsten Jahren noch etwas an Fahrt gewinnen und danach langsam abnehmen. Im Vergleich zum Szenario „Mittlere Zuwanderung“ wird von einer ausgeprägteren Auswanderung ausgegangen.

Die Annahmen zur natürlichen Bewegung und den Einbürgerungen sind in beiden Szenarien identisch und entsprechen den Annahmen des mittleren Szenarios des Bundesamtes für Statistik für den Kanton Thurgau (AR-00-2015):

  • Leichter Anstieg des Durchschnittsalters von Frauen bei Geburt des Kindes. Die Geburtenhäufigkeit (Anzahl Kinder je Frau) bleibt in etwa stabil.
  • Anstieg der Lebenserwartung bis zum Jahr 2035 um drei Jahre (Frauen) bzw. fünf Jahre (Männer).
  • Einbürgerungsraten bleiben stabil.

Die kleinräumigen Bevölkerungsszenarien wurden von der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau erstellt. Die Festlegung der Annahmen und weiterer Grundsatzentscheide erfolgte in einer Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Departemente sowie einer Vertretung der Gemeinden.

In beiden Szenarien wurde die Revision des kantonalen Richtplans berücksichtigt, beide sind mit diesem kompatibel.

Weitere Informationen:
Methodische Erläuterungen und Modellannahmen
Zusammenfassung der Annahmen nach Szenarien, Jahr 2035

Verhältnis der Kleinräumigen Szenarien zu den Szenarien des Bundesamtes für Statistik

Das Bundesamt für Statistik erstellt alle fünf Jahre Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung auf gesamtschweizerischer und kantonaler Ebene. Für eine Vielzahl von Planungsaufgaben reichen jedoch Szenarien auf Ebene Gesamtkanton nicht aus. Oft werden kleinräumigere Planungsgrundlagen benötigt.

Da die Annahmen der kleinräumigen Szenarien grösstenteils von den Szenarien des Bundesamtes für Statistik übernommen worden sind, entspricht auf Kantonsebene das Szenario „Mittlere Zuwanderung“ in etwa dem Referenzszenario des BFS (AR-00-2015). Das Szenario „Schwächere Zuwanderung“ ist sehr nah am tiefen BFS-Szenario (CR-00-2015).

Seit der Veröffentlichung der früheren BFS-Szenarien aus dem Jahr 2010 ist die Thurgauer Wohnbevölkerung stark gewachsen. Die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung entsprach in den Jahren bis zur Aktualisierungsrunde 2015 ungefähr dem hohen Szenario des BFS aus dem Jahr 2010 (es wurde sogar leicht übertroffen). Entsprechend hat das BFS die ehemaligen Szenarien deutlich nach oben angepasst. Das „alte“ hohe Szenario für den Kanton Thurgau (BR-00-2010) entspricht in etwa dem neuen tiefen Szenario (CR-00-2015).

Gemäss den neuen BFS-Szenarien aus dem Jahr 2015 wächst die Thurgauer Bevölkerung im Referenzszenario in den nächsten Jahrzehnten stärker als jene der Gesamtschweiz und der Nachbarkantone.

Wie bei den Szenarien aus dem Jahr 2010 ist der Kanton Thurgau auch gemäss den Szenarien 2015 überdurchschnittlich stark von der demografischen Alterung betroffen.

Informationen zu den Szenarien des Bundesamtes für Statistik finden Sie auf den folgenden Seiten: