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Löhne

Der mittlere Lohn in der Thurgauer Privatwirtschaft liegt bei 5'900 Franken

Die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Thurgauer Privatwirtschaft verdiente 2016 mehr als 5'919 Franken brutto pro Monat, die andere Hälfte weniger («Median» siehe Glossar). Die Angaben beziehen sich auf den Bruttolohn, der auf ein einheitliches Arbeitspensum standardisiert wurde («Bruttomonatslohn» siehe Glossar).

2016 lag der sogenannte Medianlohn im Thurgau damit gut 300 Franken unter jenem der Gesamtschweiz. Im Vergleich zur Grossregion Ostschweiz (Kantone GL, SH, AR, AI, SG, GR, TG) bewegt er sich auf demselben Niveau. Nur in der Grossregion Tessin ist das Lohnniveau niedriger als im Thurgau. In allen anderen Grossregionen werden im Mittel höhere Löhne bezahlt. Bei der Interpretation dieses Vergleichs sind jedoch die unterschiedlichen Branchenstrukturen und Lebenshaltungskosten zu berücksichtigen.

 

Branchen unterscheiden sich stark

Dass die Löhne in der Thurgauer Privatwirtschaft im Mittel tiefer sind als in der Schweiz, ist unter anderem auf die Unterschiede in der Branchenstruktur zurückzuführen. Branchen mit hohem Lohnniveau (z. B. das Finanz- und Versicherungswesen oder die Pharmaindustrie) spielen im Thurgau eine weniger wichtige Rolle als in anderen Regionen der Schweiz.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind gross. So verdiente 2016 die Hälfte der Beschäftigten in «Information und Kommunikation» mehr als 7'000 Franken brutto pro Monat («Median»). Auch bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (z. B. Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung oder Architektur- und Ingenieurbüros) sowie im «Grundstücks- und Wohungswesen» war der Medianlohn mit fast 7'000 Franken hoch.

Vergleichsweise niedrige Löhne wurden im Gastgewerbe, im Bereich «Kunst, Unterhaltung und Erholung» sowie in der Sammelgruppe «Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen» bezahlt. In letzterer werden Dienstleistungsbranchen wie Autovermietung, Reisebüros, Gebäudereinigung oder Call-Center zusammengefasst.

Die grossen Unterschiede zwischen den Branchen lassen sich unter anderem mit den verschiedenen Anforderungsprofilen erklären. So ist beispielsweise der Anteil an Akademikern in der Informations- und Kommunikationsbrachen höher als im Gastgewerbe.

Die Branchen unterscheiden sich aber auch bezüglich der Lohnbandbreite. Am engsten liegen die Löhne in eher homogenen Branchen wie dem Gast- oder Baugewerbe zusammen, wo häufiger Personen mit ähnlichen Qualifikationen und folglich ähnlichen Löhnen arbeiten. In heterogenen Branchen wie «Information und Kommunikation» oder «Erbringung von sonstigen Dienstleistungen» (dazu gehören z. B. persönliche Dienstleistungen wie Coiffeursalons oder die Reparatur von Gebrauchsgütern) klaffen die Löhne hingegen stärker auseinander.

 

Eine Kaderposition zahlt sich aus

Je höher die berufliche Stellung, desto höher ist das Lohnniveau. Das gilt vor allem für das obere und mittlere Kader. Hier verdienten Kaderleute in der Thurgauer Privatwirtschaft 2016 im Mittel 8'500 Franken brutto pro Monat. Demgegenüber waren die Medianlöhne von Arbeitnehmenden im unteren und untersten Kader klar tiefer (7'100 CHF resp. 6'300 CHF). Am wenigsten verdienten Personen ohne Kaderfunktion (5'600 CHF).

Mit der beruflichen Stellung nimmt auch die Bandbreite der Löhne zu. Am grössten ist sie bei Personen im oberen und mittleren Kader: 10 % der Arbeitnehmenden auf dieser Funktionsstufe hatten 2016 einen Lohn von 13'800 Franken oder mehr. Die untersten 10 % verdienten hingegen weniger als 5'500 Franken, was in etwa dem mittleren Lohn von Personen ohne Kaderfunktion entspricht.

 

In Dienstleistungsberufen und im Verkauf sind die Löhne am tiefsten

In der Thurgauer Privatwirtschaft wurden die tiefsten Löhne 2016 in Dienstleistungsberufen und im Verkauf bezahlt (Medianlohn: 4'900 CHF). Ähnlich tiefe Löhne erzielten Bürokräfte und verwandte Berufe (5'100 CHF) sowie Hilfsarbeitskräfte (5'200 CHF).

Neben Führungskräften verdienten Personen in akademischen sowie technischen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen am meisten (Medianlöhne: 7'200 CHF resp. 6'700 CHF). Gleichzeitig ist auch die Lohnbandbreite in diesen Berufsgruppen vergleichsweise hoch. Höher war die Bandbreite gegen oben nur bei Führungskräften, wo einer von zehn Beschäftigten pro Monat 14'000 Franken oder mehr verdiente.

 

Bildung ist Gold wert

Eine gute Bildung zahlt sich buchstäblich aus. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die lediglich die obligatorische Schule abschlossen haben, verdienten 2016 in der Thurgauer Privatwirtschaft im Mittel 4'800 Franken brutto pro Monat. Eine abgeschlossene Berufslehre steigerte den Lohn um gut ein Fünftel (Median: 5'800 CHF). Nochmals höher ist der Medianlohn bei einer höheren Berufsbildung (7'800 CHF). Am höchsten ist das Lohnniveau bei Beschäftigten mit Hochschulabschluss. Absolventinnen und Absolventen einer Fachhochschule verdienten 2016 im Mittel gut 8'500 Franken, Personen mit einem Universitäts- oder ETH-Abschluss gar 9'000 Franken.

 

Je höher die Ausbildung, desto stärker steigt der Lohn mit zunehmendem Alter

Das Salär steigt mit zunehmendem Alter. Am stärksten ist dieser Anstieg bei Hochschulabsolventinnen und -absolventen (Uni, ETH, FH und PH). Hier verdienten 50- bis 64/65-Jährige im Mittel rund 60 % mehr als 20- bis 29-Jährige mit demselben Abschluss. Bei Personen mit abgeschlossener Berufsbildung fällt der Lohnanstieg deutlich geringer aus (+34 %).

 

Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer

Wie in der Gesamtschweiz verdienen Frauen auch in der Thurgauer Privatwirtschaft im Mittel weniger als Männer. 2016 war der monatliche Bruttolohn der Frauen mit knapp 5'200 Franken 17 % tiefer als jener der Männer (6'200 CHF). Die geschlechterspezifischen Unterschiede hängen dabei stark vom Alter ab. Bei den unter 30-jährigen Beschäftigten sind die Unterschiede zwischen den Arbeitnehmerinnen und ihren männlichen Kollegen gering. Während der Bruttomedianlohn der Männer danach noch kräftig zunimmt, steigt er bei den Frauen ab etwa Mitte 30 kaum mehr weiter an.

 

Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen zu knapp 60 % erklärt

Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern hängt nicht nur vom Alter ab, sondern auch von weiteren Faktoren wie der Branche, in der eine Person tätig ist. Zudem nimmt er mit steigender Hierarchiestufe zu. Schliesslich spielen auch strukturelle Faktoren und weitere persönliche Merkmale wie Ausbildung oder Dienstjahre eine Rolle. So arbeiten Frauen nach wie vor öfter in Berufen mit tieferem Lohnniveau oder verzichten familienbedingt auf höher bezahlte Stellen in Kaderfunktionen, die ein Vollzeitpensum voraussetzen.

Die in der Lohnstrukturerhebung berücksichtigten Merkmale zur beruflichen Tätigkeit (z. B. Branche, berufliche Stellung, Berufsgruppe) und zur Person (Ausbildung, Alter, Dienstjahre, Nationalität) können 2016 in der Schweizer Privatwirtschaft knapp 60 % des Lohnunterschiedes zwischen Frauen und Männern erklären. Rund 40 % des Unterschiedes bleibt hingegen unerklärt. Zu berücksichtigen ist aber, dass in der Lohnstrukturerhebung nicht alle lohnrelevanten Merkmale erfasst werden. Der unerklärte Anteil kann damit lediglich als Hinweis für eine mögliche Lohndiskriminierung dienen.


Publikation

Ausführliche Resultate der Lohnstrukturerhebung 2016 können der Statistischen Mitteilung  Nr. 2/2019 entnommen werden.

 

 

 

Tabellen

Kanton Thurgau

Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftsabschnitten, beruflicher Stellung und Geschlecht, 2012-2016
Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftsabschnitten, Kompetenzniveau und Geschlecht, 2012-2016
Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftsabschnitten, Unternehmensgrösse und Geschlecht, 2012-2016
Monatlicher Bruttolohn nach Lebensalter, beruflicher Stellung und Geschlecht, 2012-2016
Monatlicher Bruttolohn nach Ausbildung, beruflicher Stellung und Geschlecht, 2012-2016
Monatlicher Bruttolohn nach beruflicher Stellung, Geschlecht und Nationalität, 2012-2016
Monatlicher Bruttolohn nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, 2012-2016
Anteil der Lohnkomponenten an der Lohnsumme nach Wirtschaftsabschnitten, 2012-2016

Quelle: Bundesamt für Statistik, Lohnstrukturerhebungen 2012, 2014 und 2016

-> Daten aus früheren Jahren

Erhebung und Begriffe

Die Ausführungen auf dieser Internetseite basieren auf der Lohnstrukturerhebung 2016 des Bundesamtes für Statistik. Informationen zu dieser Erhebung finden Sie unter Lohnstrukturerhebung.

Begriffserklärungen und Definitionen finden Sie im Glossar.

Weitere Informationen

Bundesamt für Statistik

Ergebnisse der Schweizerischen Lohnstrukturerhebungen auf nationaler Ebene und nach Grossregionen sowie zur Statistik der Lohnentwicklung
Löhne, Erwerbseinkommen

Berechnung des monatlichen Bruttolohnes (Median) sowie dessen Spannweite anhand frei wählbarer, persönlicher Merkmale (Ausbildung, Alter etc.)
Individueller Lohnrechner